Willkommen beim Niersverband
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Pflanzen und Tiere

Die Niersaue besitzt heute den Charakter einer alten Kulturlandschaft. Diese wurde durch unterschiedlichste Einflüsse und Eingriffe in den vergangenen Jahrhunderten geprägt. Die bereits im Mittelalter begonnene Rodung von Bruchwäldern führte zur Entstehung von Wiesen und Weiden. Durch die Verlegung des Flussbettes und den Bau von Wassermühlen konnte die Wasserkraft genutzt werden. Zur intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der Flussniederung und zur Abflussregulierung erfolgte die Begradigung und Eindeichung der Niers. Rückbaumaßnahmen im Rahmen des Niersauenkonzeptes bzw. des Masterplans Niersgebiet geben dem Fluss heute streckenweise wieder einen naturnahen Verlauf.

Alle diese Faktoren haben die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt in der Niers geprägt. Aber auch die dramatischen Veränderungen der Wasserqualität der Niers in den letzen 150 Jahren bestimmten das Leben im Gewässer. Durch die zunehmende Industrialisierung und die steigende Einleitung ungeklärter Abwässer galt die Niers bereits um 1900 in weiten Teilen als "biologisch tot". Intensiver Ausbau und Modernisierung der Kläranlagen führen vor allem seit Beginn der 80er Jahre zu einem stetigen und deutlichen Anstieg der Wasserqualität. Durch diese positive Entwicklung ist die Niers wieder ein Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen geworden.

Igelkolben und Große Königslibelle 

Kleintiere (Makrozoobenthos) 

Die Niers ist am Gewässergrund und an den Wasserpflanzen von einer Vielzahl von Insekten, Krebsen, Egeln, Strudelwürmern, Schnecken, Muscheln, Süßwasserschwämmen und Moostieren besiedelt. Diese Tiere werden in der Fachsprache unter dem Namen Makrozoobenthos zusammengefasst.

Neben wenigen Verschmutzungsanzeigern, wie den Wasserasseln Asellus aquaticus und Proasellus coxalis oder dem Rollegel Erpobdella octoculata, besteht die Lebensgemeinschaft überwiegend aus Arten, die höhere Ansprüche an die Wasserqualität stellen. Verschiedene Flohkrebsarten (Gammarus roeseli, G. pulex, G. fossarum) kommen stellenweise sehr häufig vor. An den Uferpflanzen können oft die auffällig gefärbten Gebänderten Prachtlibellen Calopteryx splendens oder Vertreter der Schlanklibellen Coenagrionidae beobachtet werden. Andere Arten, wie der Große Blaupfeil Orthetrum cancellatum oder Heidelibellen Sympetrum, sind an einigen Niersabschnitten vorhanden.  Neben den Libellenlarven finden an der Gewässersohle und an den Wasserpflanzen u. a. verschiedene Larven der Köcher- und der Eintagsfliegen ihren Lebensraum.

Durch die positive Entwicklung der Wasserbeschaffenheit und die schrittweise Verbesserung der Gewässerstrukturen der Niers in den letzten Jahren kam es zu einer deutlichen Zunahme der Anzahl an verschiedenen Kleinlebewesen.

Köcherfliegenlarve und Kugelmuschel

Fische

Im Hauptlauf der Niers leben insgesamt 32 verschiedene Fischarten (Untersuchungen 2010 - 2016). 2016 wurden davon 27 Arten gefunden. Die Schmerle war am häufigsten vertreten, gefolgt von Dreistachligem Stichling und Flussbarsch. Sechs Arten sind Neozoen, d. h. gebietsfremde Arten (Blaubandbärbling, Marmorgrundel, Schwarzmundgrundel, Sonnenbarsch) oder Zuchtformen (Giebel/Goldfisch, Orfe/Aland). Vier Arten sind besonders schützenswert (FFH-Arten Anhang II). Es handelt sich um das Bachneunauge, den Bitterling, die Koppe und den Steinbeisser. Bis auf das Bachneunauge sind diese Arten in der Niers regelmäßig vorhanden. Für den Steinbeisser ist die Niers sogar Verbreitungsschwerpunkt in NRW.

Verteilung der Fischarten in der Niers 2016

Steinbeisser, Rotauge, Hasel und Bitterling (links) sowie Schmerle (rechts)

Bisam, Nutria und Biber

Problematisch ist das häufige Vorkommen von Bisamratte und Nutria, auch Sumpfbiber genannt, in der Niers und ihren Nebengewässern. Beide Nagetierarten richten durch das Unterwühlen von Böschungen und Dämmen, in die sie als Bau lange Röhren mit geräumigen Kesseln graben, erhebliche Schäden an.

Bisam und Nutria gehören zur Ordnung der Nagetiere, die Bisamratte zur Familie der Wühlmäuse und die Nutria zur Familie der Ferkelratten, auch Biberratten genannt.

Die aus Nordamerika stammende Bisamratte und die in Südamerika beheimatete Nutria wurden teilweise ausgesetzt oder entkamen aus Pelztierzuchten und haben sich über ganz Mitteleuropa ausgebreitet. Begünstigt wird die Entwicklung von Bisamratte und Nutria durch den Mangel an natürlichen Feinden, ein üppiges Nahrungsangebot und durch eine schnelle Fortpflanzung (mehrmals im Jahr mehrere Nachkommen). Als Nahrung dienen überwiegend Wasser- und Uferpflanzen sowie Feldfrüchte. Zusätzlich werden auch Muscheln, Schnecken und Krebstiere gefressen.

Die Bisamratte (Länge ohne Schwanz: 25 - 40 cm) ist gegenüber der Nutria (Länge ohne Schwanz: 35 - 60 cm) etwas kleiner. Bei der Bisamratte ist der Schwanz seitlich abgeflacht, bei der Nutria rund. Auffallend bei der Nutria sind die breiten, orangegelben Nagezähne.

Die Bisamratte ist tag- und nachtaktiv, die Nutria eher dämmerungsaktiv. In den letzten Jahren wurde in der Niers ein Rückgang der Bisamratte und eine Zunahme der Nutrias beobachtet.

Nutria an der Niers

Ein neuer Bewohner der Niers ist der Europäische Biber. Er galt hier lange als ausgestorben und hat erst in den letzten Jahren die Niers wiederbesiedelt. 

Der Biber ist Europas größtes Nagetier (Länge ohne Schwanz: bis 1 m, bis 0,35 m Schwanzlänge). Charakteristisch sind der breite, platte Schwanz, auch Kelle genannt, die großen Hinterfüße mit Schwimmhäuten und ein dichtes Fell. Biber sind reine Pflanzenfresser. Bevorzugt werden Kräuter, Wasserpflanzen, Sträucher und Laubbäume, aber auch Schilf, Gras und Feldfrüchte.

Bekannt sind Biber als "Holzfäller", da sie mit ihren ständig nachwachsenden Nagezähnen mühelos Baumstämme durchnagen können. Von den gefällten Bäumen verzehren sie die Zweige, die Rinde und auch die Blätter. Biber bauen Dämme, Burgen oder graben Röhren in die Uferböschung. Die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere werden meist durch ihre Bauten und Fraßspuren sichtbar.

Biberfraßspuren

Wasserpflanzen

In der Niers wachsen der Flutende Igelkolben (Sparganium emersum) , der Wasserstern (Callitriche sp.), die Wasserpestarten Elodea canadiensis und Elodea nuttallii, das Kamm-Laichkraut (Potamogeton pectinatus), das Krause Laichkraut (Potamogeton crispus) oder das Gewöhnliche Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia) häufig in dichten flutenden Beständen.

Die Wasserpflanzen sind ein wichtiger Lebensraum für die verschiedensten Organismen im Gewässer, können aber bei intensivem Wachstum zu erheblichen Abflussproblemen durch den so genannten Krautstau führen. Zur Sicherung des Abflusses werden die Wasserpflanzen regelmäßig unter Wasser gemäht, was teilweise eine starke Störung der Tier- und Pflanzenwelt in der Niers darstellt.

Wasserstern und Tausendblatt

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